• Chamber Music
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Kunst Halle Sankt Gallen, 2015. In der komponierten Ausstellung «Chamber Music» untersucht Florian Graf die Triade von öffentlichem Raum, privatem Raum und Natur-Raum. Jeweils ein Bereich nimmt einen der drei Ausstellungssäle ein. Das poetische Bild, das Graf erzeugt, regt zum Nachdenken an, wie sich der öffentliche Raum wandelt, wie sich die Wünsche für den privaten oder intimen Raum ändern, und wie das Verhältnis zur Landschaft oder zur “Natur” zu einer neuen Herausforderung geworden ist. Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist die Beobachtung, dass die Lebensformen unserer globalen Gesellschaft zwischen alten, immer noch prägenden Gesellschaftsmodellen und der Ahnung einer prekären Zukunft pendeln, die nicht mit klaren Visionen oder Utopien verbunden ist. In diesem Kontext wird das Wohnen, das “sich-in-der-Welt-einrichten” und damit der Raum selbst zur Frage.

Graf reflektiert das Wesen und die Wirkung von öffentlichem, privatem und Natur-Raum mithilfe dreier Formen, die in allen Ausstellungsräumen in verschiedenen Materialien und Dimensionen auftauchen und jeweils unterschiedliche Rollen einnehmen. Im ersten, dem öffentlichen Raum, können die drei Formen am ehesten als architektonische Elemente bezeichnet werden: Sie sind Säule, Durchgangsportal, Gebäude und Skulptur zugleich und evozieren das Gefühl, sich in der Stadt zu bewegen. Im zweiten Raum, dem privaten (Wohn-) Raum, sind die drei Formen rein dekorative Elemente: Als Keramiken verschönern sie den Raum und tragen zu seiner Wohnlichkeit bei. Im letzten Saal, der vom Menschen beeinflussten Natur oder künstlichen Landschaft, tauchen die Formen wieder als Skulpturen mit einem Sockelensemble auf, in Form eines Brunnens, an ein Grabmal erinnernd oder als Blumentrog.

Transformation – ein wiederkehrendes Thema in Florian Grafs künstlerischem Schaffen – ist in der St. Galler Ausstellung Teil seiner Reflexion über das Wesen und die Wirkung von Räumen und verweist insbesondere auf die wechselnden Rollen, die wir als BenutzerInnen des öffentlichen, privaten oder des Natur-Raums einnehmen. Mit architektonischen Interventionen, Display-Varianten und Materialübersetzungen fordert er kritisch und doch humorvoll zum Dialog mit prägenden Lebens- und Gesellschaftsmodellen auf.

do (Tower House) 414 x 160 x 160 cm (Holz, Verputz, Dispersion)
mi (Portal-Gibbet) 414 x 250 x 250 cm (Holz, Verputz, Dispersion)
so (Flat-Storey) 414 x 160 x 160 cm (Holz, Verputz, Dispersion)

fa (Vase) 68 x 25,5 x 25,5 cm (Keramik, Farbe)
la (Vase) 68 x 25,5 x 25,5 cm (Keramik, Farbe)
do (Vase) 68 x 40 x 40 cm (Keramik, Farbe)

so (Flower) 180 x 68 x 68 cm (Chromstahl, Sockel variabel)
si (Horse) 180 x 108 x 108 cm (Chromstahl, Sockel variabel)
re (Man) 180 x 68 x 68 cm (Chromstahl, Sockel variabel)

Courtesy: der Künstler; Grieder Contemporary, Zürich

Fotos: Gunnar Meier 1, 2, 4, 5, 8, 9, 11, Rodolfo Ernst 3, 6, 7, 10, 12, 13


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